Die Strahlentherapie

Warum Strahlentherapie?

Die Strahlentherapie – auch Radioonkologie genannt – ist ein wichtiger Bestandteil der heutigen Krebstherapie. Durch intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit in den letzten Jahrzehnten im Bereich der Tumortherapie können heute ca. 45 – 50 % aller Krebspatienten durch kurative Maßnahmen geheilt werden. Zu den kurativen Maßnahmen gehören neben den operativen Eingriffen die Strahlentherapie sowie die medikamentöse Tumortherapie. Ihr Radioonkologe ist bei vielen onkologischen Krankheitsbildern der führende Spezialist, der die Abstimmung mit Begleitdisziplinen, wie den chirurgischen Fächern und der internistischen Onkologie, vornimmt und Ihren Erkrankungsfall in den entsprechenden onkologischen Zentren vorstellt.

Je nach Anforderung an die Behandlung kann die Strahlentherapie sowohl als alleinige Behandlungsform als auch in Kombination mit einem operativen Eingriff oder einer medikamentösen Tumortherapie durchgeführt werden. Durch die Fortschritte, die in den letzten Jahren in der Strahlentherapie erzielt werden konnten, sind die Therapien für die Patienten wirksamer und verträglicher geworden.

Wie wirkt die Strahlentherapie?

Unter Strahlentherapie versteht man die zielgenaue Behandlung mit ionisierender Strahlung (Röntgenstrahlung, Elektronen, Photonen, Protonen, Schwerionen). In der modernen Strahlentherapie wird die Strahlung hauptsächlich künstlich durch einen sogenannten Linearbeschleuniger erzeugt. Hierbei ist die Strahlung nur im Moment der Behandlung vorhanden. Da kein radioaktives Material in den Körper eingeführt wird, weist der Patient nach der Behandlung keinerlei Strahlung auf. Mit hochentwickelten Steuerungsmethoden kann die Dosis millimetergenau in der zu bestrahlenden Körperregion platziert werden.

Welche Bestrahlungstechniken gibt es?

Die Art der Strahlenbehandlung richtet sich nach dem Krankheitsbild und wird für jeden Patienten individuell ausgewählt.

Fraktionierte Bestrahlung
Wenn eine Radiotherapie größere Anteile gesunder Gewebe erfassen muss, ist eine schonende Bestrahlung erforderlich. Dies wird durch die Verabreichung von täglichen kleinen Dosen erreicht, deren zellschädigender Effekt von gesunden Geweben repariert werden kann, von Krebsgeweben dagegen weniger.

Atemgetriggerte Bestrahlung
Liegt der zu behandelnde Krankheitsherd nahe an beweglichen Organen wie z. B. Herz oder Lunge, wird durch den Einsatz bestimmter Atemtechniken während der Bestrahlung sichergestellt, dass die umliegenden Organe weitestgehend geschont werden. Die Bestrahlung erfolgt hierbei entweder mit Kompensation der Atembeweglichkeit oder nur in der zuvor festgelegten Atemphase. Eine Anleitung zum Ein- und Ausatmen des Patienten erfolgt vor der Bestrahlung durch den behandelnden Therapeuten. Atemgetriggerte Bestrahlung kann technisch auf verschiedenen Wegen gelöst werden: auch eine Atemtriggerung durch sogenannte Oberflächenerkennung („surface guided“) ist möglich.

Beispiele einer atemgetriggerten Bestrahlung:

(Quelle: Praxis für Strahlentherapie und Radioonkologie
am Krankenhaus Weilheim)

(Quelle: Klinik und Praxis für Radioonkologie und Strahlentherapie
Klinikum Bamberg)

Ansicht von vorne (pink: bestrahlte Brust, türkis: Tumorbett, orange: Herzkranzgefäß
ohne Einatmung, grün: Herzkranzgefäß mit Einatmung)
Verlagerung des Herzens bei Atemtriggerung und Bestrahlung in tiefer Einatmung
(blaues Bild). Im Gegensatz zur Bestrahlung in Atemmittellage (graues Bild) die
Herzstrukturen vom Bestrahlungsvolumen distanziert.

Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT)
Hierbei wird durch komplizierte Rechenvorgänge die Dosis in der Eintritts- und Austrittspforte so über die Tumorumgebung verteilt, dass benachbarte empfindliche Strukturen geschont werden. Ferner können Bereiche mit unterschiedlich hohen Dosen bestrahlt werden (simultan integrierte Dosiserhöhung oder Boost).

Stereotaktische Strahlentherapie
Eine stereotaktische Strahlentherapie (Radiochirurgie) ist eine Strahlenbehandlung, die mit chirurgischer Präzision den entsprechenden Krankheitsherd bestrahlt. Durch den präzisen Strahl wird das umliegende gesunde Gewebe weitgehend geschont. Die stereotaktische Bestrahlung kann mit einer einzigen sehr hohen Dosis (Einzeit-Stereotaxie) oder mit niedrigeren Dosen an mehreren Tagen (fraktionierte Stereotaxie) in dafür spezialisierten Zentren erfolgen. Die Dauer der Bestrahlung bei einer Einzeit-Stereotaxie beträgt zwischen 30 und 45 Minuten. Die fraktionierte Stereotaxie dauert in der Regel ca. 10 – 20 Minuten.

Welche Strahlentherapie ist für mich geeignet?

Die Art der Strahlentherapie hängt von dem jeweiligen Krankheitsbild ab. Der Facharzt für Strahlentherapie bespricht mit dem Patienten vor Behandlungsbeginn eingehend die individuelle Situation (Diagnose und Befunde) sowie die sich daraus ergebenden Therapiemöglichkeiten.
Um die bestmögliche Therapie zu erreichen beraten häufig in einer so genannten Tumorkonferenz Experten aus verschiedenen Fachrichtungen den individuellen Krankheitsfall. Anhand von Laborergebnissen, Röntgenbildern und anderen Unterlagen besprechen sie die Diagnose und alle Optionen der Behandlung. So sind alle für die Behandlung infrage kommenden Spezialisten von Beginn an in die Therapie einbezogen.

Wie läuft eine Strahlentherapie ab?

Aufklärungsgespräch
Vor der Therapie erfolgt in der Regel ein ausführliches Gespräch mit dem Facharzt für Strahlentherapie, um den Patienten über die genaue Tumordiagnose und über die Behandlung sowie die für ihn geeignete Strahlentherapie zu informieren. Auch von der/dem Medizinisch-technischen Radiologieassistentin/-en (MTRA) wird der Patient über weitere Details des Behandlungsablaufs informiert.

Behandlungsplanung
Zur Definition des Behandlungsvolumens und der Dosierung wird ein computergestützter Behandlungsplan erstellt. Hierfür wird nach Festlegung der genauen Lagerung des Patienten eine Computertomographie durchgeführt. Die hierauf basierten Berechnungen dienen dazu, den Krankheitsherd durch die Strahlentherapie bestmöglich zu erfassen und dabei das umliegende Gewebe zu schonen. Der Behandlungsplan ist somit die Grundlage für die Strahlentherapie.

Behandlungsablauf
Bei der ersten Behandlung werden die Lagerungs- und Einstellmarkierungen auf der Haut für die gesamte Bestrahlungsserie nochmals festgelegt, da beim Planungs-Computerprogramm meist nur vorläufige Markierungen angebracht werden. Nach Lagerung des Patienten auf dem Behandlungstisch werden Röntgenaufnahmen (IGRT –„Image Guided Radiotherapy“) erstellt, um so sicherzustellen, dass die Lage des Patienten und die errechnete Positionierung des Strahls miteinander korrespondieren. Bei einer Abweichung wird eine Korrektur an der Lage des Patienten vorgenommen.
Die weiteren Behandlungen erfolgen nach entsprechendem Terminplan für die Dauer der benötigten Strahlenbehandlungen.

Nachsorgeuntersuchung
Der Facharzt für Strahlentherapie kann die Tumornachsorge selbst durchführen und ist – unabhängig davon – auch zu Nachkontrollen bei seinen Patienten verpflichtet, da die Rückbildung sichtbarer Tumoren erst nach Wochen oder Monaten sicher feststellbar ist und andererseits Begleiterscheinungen (späte Nebenwirkungen) auch nach Jahren noch auftreten können. Die regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen werden aber oft durch die Hausärzte und Fachärzte der Patienten durchgeführt, die in Kontakt mit der Strahlentherapie-Einrichtung stehen.

 

Video-Beispiel einer atemgesteuerten Strahlentherapie

Dieser Film bietet einen Einblick in die Abläufe einer modernen Strahlentherapie am Beispiel einer Brustbestrahlung in der Praxis von Prof. Grabenbauer und Kollegen. Die Bestrahlung wird in tiefer Einatmung (atemgesteuerte Strahlentherapie) durchgeführt, die je nach Anatomie der Patientin nachweislich die Herzdosis reduzieren kann.

Die in diesem Fall gewählte Methode ist eine Form von IMRT (intensitätsmodulierte Radiotherapie), die nach Abwägung von Vor- und Nachteilen bei der Brustbestrahlung eingesetzt werden kann. Weitere, teils ausführliche Informationen finden Sie auf den Internetseiten der einzelnen Mitglieder.